Juri Luschkow, der Bürgermeister von Moskau, ist „Not Amused“. Gerade erst hat der internationale Reiseführer „Lonely Planet“ in seiner Ausgabe zu Moskau eine halboffizielle Schmiergeldliste für Beamte und Milizionäre veröffentlicht. Dies schade dem Image von Moskau – so die Ansicht der Offiziellen. Die Iswestija zitiert Sergej Zoi, den Pressesprecher von Bürgermeister Luschkow: Das Buch „beleidigt den Moskauer Bürgermeister, die Mitarbeiter der städtischen Polizei und beschreibt die touristische Infrastruktur und die allgemeine Lage in der Stadt nicht wahrheitsgemäß“. Da hat er wohl auch Recht. Moskau ist bei weitem nicht so schlimm wie sein internationaler Ruf. Weder werden die Straßen von marodierenden Banden beherrscht noch trifft man russische Bären beim Einkaufen. Die Sommer in Moskau sind warm und herzlich und es gibt nur wenige Städte auf der ganzen Welt, die so ein breit gefächertes Freizeitangebot aufzuweisen haben – zeitgleich mit einem großen und einzigartigen kulturellen Angebot.

Moskau explodierte regelrecht in den letzten Jahren. Eine boomende russische Wirtschaft und ein nicht abreißender Strom von Neubürgern habe Moskau zu einer der Wachstumsmetropolen in Europa gemacht. In Russland selbst hat die Hauptstadt einen hervorragenden Ruf. Nichts, was es hier nicht zu kaufen gibt, außerdem gibt es eine weite Museenlandschaft, große Kultureinrichtungen und den Glanz der Hauptstadt aller Russen. Das lockt Millionen Touristen aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten in die Metropole. Der nahe Goldene Ring von Russland bietet sich für Tagesausflüge an. Moskau liegt im Kern von Russland, hier treffen Geschichte und Gegenwart so deutlich aufeinander, wie an kaum einem anderen Platz.

Seit Jahren pendeln die Zahlen für West-Touristen in Moskau jedoch je nach politischer Großwetterlage. Genaue Touristenzahlen sind – trotz komplizierter Visa- und Registrierungsbedingungen – nicht in Erfahrung zu bringen. Die Hotelpreise sind in den letzten Jahren explodiert – viele günstige Mittelklassehotels wurden abgerissen oder für Millionen zu teuren Hotelpalästen umgebaut. Undenkbart, das Scharen von Rucksacktouristen die Moskauer City verstopfen, wie man es im Sommer in Paris oder Venedig erlebt. Ein kurzer Shoppingtrip a la „Wochenende in Barcelona oder London“ wird von den komplizierten Visum-Bedingungen unterbunden.

Moskau ist ein wunderbares Ziel für Städtetouristen – solange diese ausreichend lange vorplanen können und das nötige Kleingeld in der Tasche haben. Und die Empfehlung an die Moskauer Offiziellen: Weniger „beleidigte Leberwurst“ spielen – stattdessen die Tür aufmachen für internationale Gäste. Die Stadt selber hat schon heute ein besseres Image als Ihre Verwaltung …

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