Zufriedenheit ist etwas, was wir Menschen alle wollen. Fragt man jemanden, “Möchtest du gern zufrieden sein?”, sagt er sicher “Natürlich, das will doch jeder!” Und fügt vielleicht noch hinzu: “Was für eine (dumme) Frage?!” Davon mal abgesehen, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern nur dumme Reaktionen darauf, berührt diese Frage eine wesentlich Wichtigere:

Was ist Zufriedenheit eigentlich?

Nehmen Sie sich vielleicht einen Augenblick Zeit und versuchen Sie diese Frage für sich zu beantworten.

Ich glaube, dass es erst einmal verschiedene Antworten auf diese Frage gibt, die aber doch alle zu einer Antwort führen. Denn mit der Zufriedenheit ist es wie mit der Gesundheit – wir bemerken sie erst, wenn sie uns fehlt. So wie in einer Arztpraxis auf einem Schild steht: „Wer gesund ist, hat viele Wünsche, wer krank ist, nur einen!“.

In unserer konsumorientierten Gesellschaft haben wir gelernt, Zufriedenheit an äußeren Dingen festzumachen: Der, der die meisten “Pferdepflegerinnen” hat, gewinnt! Und wir versuchen ein Gefühl von Zufriedenheit durch Statussymbole wie ein großes Auto oder ein Haus oder aber durch Dinge wie ein neues Buch, eine bestimmte Pflanze oder Briefmarke zu erlangen. Und bestimmt hat jeder schon die Erfahrung gemacht, dass die Zufriedenheit und die Freude am Neuerworbenen schnell wieder abflacht und ein Gefühl von Leere (wieder) auftaucht. Die Euphorie lässt viel zu schnell nach, da kommt der Geldbeutel nicht hinterher.

Es ist wie in der Geschichte vom Reichen und dem Fischer: Ein reicher Mann kommt an einen Strand und sieht einen Fischer in der Sonne sitzen. Er fragt ihn: “Warum fährst du nicht hinaus und fängst mehr Fische?” “Warum sollte ich mehr Fische fangen?” antwortet der Fischer. “Damit du ein zweites Boot kaufen und jemanden anstellen kannst!” “Warum sollte ich das tun?” Der Reiche lacht: “Na, damit du dir weitere Boote kaufen und dann irgendwann dich am Strand ausruhen kannst!” Der Fischer schüttelte nur den Kopf und lächelt in sich hinein.
Oft versuchen wir nicht nur, Zufriedenheit über den Besitz von Dingen zu erlangen, sondern glauben, erst dann zur Ruhe kommen zu dürfen und dann zufrieden zu sein, wenn wir etwas geleistet haben. Wie eine Klientin zu mir sagte: “Ich darf mich noch nicht ausruhen, ich habe doch noch gar nicht genug geleistet.”

Diese zwei Aspekte – haben oder leisten, um zufrieden zu sein – sind sehr häufig in unserer Gesellschaft zu beobachten. Ich glaube aber, dass man dadurch nicht zur Zufriedenheit gelangt. Wie in der Metapher, in der ein Mann seinem Glück rastlos nachjagt und dabei das Glück gleichzeitig versucht, den Mann einzuholen. Da der Mann aber nicht zum Stehen kommt, erreicht ihn sein Glück auch nicht.
Meiner Meinung nach ist Zufriedenheit nicht ein äußerer Zustand, sondern ein Zustand inneren Wohlbefindens, Ausgeglichenseins, von “in sich ruhen”. Ich denke, dass diese innere Ruhe die Bezeichnung und das Gefühl ist, was Zufriedenheit noch am besten beschreibt.
Vermutlich haben die meisten Menschen dieses Gefühl von innerer Ruhe erlebt, vielleicht im Urlaub, bei einer Tätigkeit (als “Flow-Erleben”) oder bei einer Entspannung.
Zufriedenheit ist für mich v.a. das, was durch Entspannungsreisen und Meditation erreicht wird: Ein “wieder zu sich selbst kommen”, eine Verbindung mit unbewussten Teilen und Ressourcen und Distanzierung von Gefühlen und Gedanken.

Übung: Aufmerksam nach "innen" sein

Vielleicht möchten Sie ja die folgende Übung ausprobieren: Suchen Sie sich einen Ort, an dem Sie ungestört sein können. Setzen Sie sich bequem hin und rücken Sie sich zurecht, so dass Sie ganz entspannt sitzen können. Schauen Sie sich einen Moment um und nehmen Sie wahr, was sich um Sie herum befindet. Dann schließen Sie, wenn Sie mögen, die Augen und achten Sie auf Ihren Atem. Ohne diesen zu beeinflussen können Sie mit jedem Einatmen etwas mehr Ihre Aufmerksamkeit nach “innen” richten und mit jedem Ausatmen etwas Anspannung “loslassen”. Lassen Sie die Ruhe sich immer mehr ausbreiten und gelangen Sie immer näher zu Ihrer “inneren Mitte”. Nach fünf Minuten können Sie langsam wieder Ihre Aufmerksamkeit nach “außen” richten und zunehmend “zurückkommen”.

Wenn Sie mögen, können Sie diese Entspannung mehrmals pro Tag üben. Sie werden feststellen, dass Sie es immer besser schaffen werden, sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Ich glaube, dass Sie mit der Ruhe auch Ihre Art der Zufriedenheit finden können.
Manchmal können dabei (unerwünschte) Gedanken und Gefühle auftauchen. Dann ist es hilfreich, diese zu akzeptieren und einfach kommen und wieder gehen zu lassen, wie Wolken am Himmel, und auf diese Weise sich zu distanzieren.

Autor: Dipl.-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut Norman Ehlert, NLP-Trainer und Ausbilder für Heilpraktiker Psychotherapie, Heilpraktikerschule norman-ehlert.de für Ausbildungen zum Heilpraktiker für Psychotherapie bundesweit.

Der Beitrag besitzt Themenrelevanz zu Atemübung Atemübungen Beispiel Enstpannung entspannen Flow-Erleben Statussymbol zufrieden sein.