Die Aktienkurse spiegeln in erster Linie die Ängste und Hoffnungen zahlloser Menschen wieder, die an den Börsen ihr Glück versuchen. Vielfach geben sie das Gegenteil dessen wieder, was sich in der Realität abspielt.
In den vergangenen Monaten nach der Pleite einer großen US-Bank schien die Finanzwelt am Rande eines völligen Zusammenbruchs zu stehen. Dennoch sind in den folgenden Wochen die Aktienkurse weltweit gestiegen und bewegen sich bereits wieder auf einem Niveau, das von Experten als irreal eingestuft wird.
Dies scheint auf den ersten Blick grotesk zu sein, erklärt aber das Wesen der Aktienmärkte: In einer Art globalen Glücksspiels mit unzähligen Jokern und anderen Varianten wettet die Weltbevölkerung auf Reaktionen anderer Teile der Bevölkerung. Die Tatsache, dass die deutsche Gesellschaft in einer immensen Kraftanstrengung versucht, Firmen und Arbeitsplätze vor dem Untergang zu retten, befeuert das Heer der internationalen Spekulanten, auf die unterstützten Firmen durch den Ankauf von Aktien zu wetten, obschon klar ist, dass ein großer Teil dieser Firmen nach Ablauf der staatlichen Unterstützung nicht lebensfähig sein wird.
Die Aktienkurse haben sich während und nach der Krise, sofern diese wirklich bereits ausgestanden sein sollte, am entschlossenen Handeln der Regierungen in den wichtigen Staaten orientiert und sind entsprechend gestiegen, obwohl weltweit Produktion, Kaufkraft und Nachfrage in einem nie da gewesenen Absturz befindlich sind. Die Gründe hierfür sind wohl in der menschlichen unerforschten Psyche zu suchen und in einem System, das davon lebt, den großen Teil der Menschheit regelmäßig für eigene Zwecke zu missbrauchen.